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Im Zeitalter der Sanktionen
Abgesehen von einigen Fällen im Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung und Proliferation fristete das Sanktionsrecht als Teil des Außenwirtschaftsrechts in Österreich jahrzehntelang ein Schattendasein. Jüngste geopolitische Entwicklungen sorgten jedoch dafür, dass das Sanktionsrecht insbesondere auf EU-Ebene eine wahre Renaissance erlebt. Als Querschnittsmaterie, angesiedelt im Völkerrecht, EU-Recht und nationalen Recht, wird es wohl auch in den nächsten Jahrzehnten aus dem Behörden- und Beratungsalltag nur mehr schwer wegzudenken sein.
Sanktionen können von Staaten, internationalen Organisationen oder der Europäischen Union verhängt werden, um staatliche oder nicht-staatliche Akteure zum Setzen von gewissen Handlungen zu bewegen. In der Regel soll auf diesem Weg ein Ablassen von Völkerrechtsverstößen durch die Sanktionsadressaten erreicht werden. Als Rechtsgrundlage dient somit entweder das Völkerrecht (zB in Gestalt einer UN-Sicherheitsratsresolution), das Unionsrecht (zumeist in Gestalt von Verordnungen) oder ein innerstaatlicher Rechtsakt. Die derzeit wohl prominentesten Beispiele für derartige Rechtsgrundlagen bilden zweifelsfrei die gegen Russland gerichteten Verordnungen (EU) 269/2014 und 833/2014 idgF. Inhaltlich differenziert man zwischen diplomatischen, militärischen, personenbezogenen und wirtschaftlichen Sanktionen. Die konkrete Ausgestaltung variiert dabei stark und manifestiert sich bspw in Form von Dienstleistungsverboten, dem Einfrieren von Vermögenswerten oder Einreiseverboten.
Allgemein gilt, dass die beschriebenen völkerrechtlichen und unionsrechtlichen Sanktionsregime von den mitgliedstaatlichen Behörden vollzogen werden. In Österreich bildet seit Anfang 2025 das SanktG 2024 die hierfür maßgebliche Rechtsgrundlage. Mit dieser gesetzlichen Neufassung erfolgte einerseits eine Neuausrichtung und dringend gebotene Klarstellung behördlicher Zuständigkeiten. Zu diesem Zweck wurde ua auch ein Nationales Koordinationsgremium eingerichtet, in dessen Rahmen künftig strittige Vollzugsfragen aufgelöst werden sollen. Andererseits ist es österreichischen Behörden auf Basis des SanktG 2024 nun erstmals möglich, unabhängig von völkerrechtlichen und unionsrechtlichen Vorgaben, genuine nationale Sanktionen zu verhängen.
Mit dem SanktG 2024 wird somit in vielerlei Hinsicht rechtliches Neuland betreten. Dieses Bild fügt sich nahtlos in das Gesamtsystem des Sanktionsrechts ein, dass von auslegungsbedürftigen Rechtsgrundlagen, divergierenden Vollzugspraktiken und komplexen Ermittlungsverfahren geprägt ist. Hinzukommt, dass das Sanktionsrecht bisher auch im Schrifttum nur punktuell bearbeitet wurde.
Vor diesem Hintergrund freut es mich daher besonders, gemeinsam mit der facultas Verlags- und Buchhandels AG, Behördenvertretern und Rechtsanwälten einen Praxiskommentar zum SanktG 2024 erarbeiten zu dürfen, der hoffentlich die drängendsten Fragen des nationalen Sanktionsvollzugs prägnant beantworten wird.
Die Entwicklung eines Praxiskommentars zum SanktG 2024 erfordert den Dialog mit jenen, die daran interessiert sind, diesen künftig zur Lösung von Rechtsfragen heranzuziehen. Anregungen hierzu richten Sie am besten an daniel.peter.schmidt@univie.ac.at.
Daniel Peter Schmidt, LL.M. (WU)
forscht und lehrt im Bereich des Sicherheitsverwaltungsrechts und des Rechts der Nachrichtendienste.
Literatur zum Thema
Veröffentlicht 2023
von Gregor Heißl, Alexander Figl bei MANZ Verlag Wien
ISBN: 978-3-214-04269-1
Das SNG regelt Aufgaben und Befugnisse der Direktion Staatschutz und Nachrichtendienst und damit verbundener Organisationseinheiten der Landespolizeidirektionen. Wesentliches Ziel ist ...
Praxiskommentar
Veröffentlicht 2025
von Alois Birklbauer, Marianne Johanna Lehmkuhl, Cathrine Konopatsch, Florian Messner, Klaus Schwaighofer, Stefan Seiler, Alexander Tipold bei facultas
ISBN: 978-3-7089-2466-3
Seit der Vorauflage des Kommentars, der Anfang 2018 erschienen ist, wurde das StGB 15-mal novelliert. Die Neuauflage des Praxiskommentars zum StGB basiert auf der am 1. Jänner 2025 geltenden Rechtslage. Literatur und Rechtsprechung, die bis zum 30. Juni 2024 zugänglich waren, wurden ...
Veröffentlicht 2024
von Theodor Thanner, Matthias Vogl bei Verlag Österreich
ISBN: 978-3-7046-9379-2
Ihre essenzielle Informationsquelle zum SPG In der 3. Auflage bietet der Kommentar zum Sicherheitspolizeigesetz (SPG) eine umfassende Analyse und Erläuterung aller Bestimmungen des SPG sowie der angrenzenden Gesetze – Bundeskriminalamt-Gesetz (BKA-G), Gesetz ...