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Die sichtbare Macht: Wie Gebote und Verbote unsere Gesellschaft prägen
Leben umgeben von Schildern
Egal ob in der Früh, wenn man das Haus verlässt und zur U-Bahn marschiert oder am Abend, wenn man vom Job wieder unterwegs nach Hause ist, egal ob im Straßenverkehr, am Schiff, im Flugzeug, im Zug, im Wald, an der Universität oder am Strand – die Liste lässt sich beliebig lang fortführen. Alle diese Bereiche des Lebens haben eines gemeinsam, nämlich, dass das menschliche Verhalten durch Gebots- oder Verbotsschilder, d. h. in einem visualisierten Kontext, in unterschiedlichen Facetten beeinflusst wird. Geht es Ihnen ähnlich?
Solche Hinweise begegnen uns gleichsam auf Schritt und Tritt und differenziert nach gesetzlicher, kultureller und gesellschaftlicher Situation zeigen sie sich ganz verschieden – je nachdem also, was geboten oder verboten ist. Die sichtbaren Regeln in Schilderform formen jedenfalls unser menschliches Verhalten im Alltag – und das meist völlig unbewusst. Sie bestimmen, wie wir uns in dieser Welt bewegen und welche Handlungen wir setzen oder eben nicht setzen. Doch was bedeuten sie wirklich für uns als Individuen und für unsere Gesellschaft? In diesem Beitrag möchte ich nicht nur über die offensichtliche Funktion von Geboten und Verboten sprechen, sondern v. a. auch über die ethischen Dimensionen, die sie in unserem Leben (oft unbemerkt) entfalten.
Verbotsschilder bei einem U-Bahn-Eingang in Wien.
© M. Possard (2024)
Schilder als Leader des Alltags?
Man denke etwa an ein klassisches Stop-Schild nach § 52 StVO: Was fühlen bzw. denken Sie, wenn Sie sich direkt davor hinstellen und den Hinweis bestaunen? Irgendwie – zumindest geht es mir so – verschafft sich das Schild meinen Respekt. Es erinnert mich daran, anderen den Vortritt zu lassen: Stop! Und was hat es mit Geschwindigkeitsbegrenzungen nach § 20 Abs. 2 StVO auf sich? Diese Erkennungszeichen zählen zu meinen persönlichen Favoriten, da sie anderen ausdrücklich zum Schutz dienen (z. B. in Bereichen, wo Kinder spielen oder Senior:innen residieren). Diese Schilder, so denke ich, zeigen sehr gut, dass sie eben nicht neutral ist, sondern einen tief(er)en Sinn in sich tragen, nämlich moralische Werte unserer Gesellschaft. Solche Schilder machen abstrakte rechtliche Normen unmittelbar verständlich und sollen unser aller Verhalten im Sinne von Sicherheit und Ordnung lenken.
In bestimmten Ländern, wie etwa hier in den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai), scheint es so, als wäre alles verboten. Von Gymnastik bis hin zum einfachen Sitzen.
© M. Possard (2024)
Menschliche Reaktionen und unsichtbare Wirkung
Wie dem auch sei: Schilder wirken auf uns, indem sie unser Denken anregen und analog dazu unsere Entscheidungen (um-)lenken. Gebots- und Verbotsschilder sind demnach nicht nur farblich markierte Einschränkungen, sondern interessante gesellschaftliche Botschaften. Zum einen heben Gebote hervor, was gefordert wird, zum anderen stellen Verbote klar, was in einer Gesellschaft nicht geduldet wird. Skizziert werden kann dies am Exempel des Rauchverbots innerhalb der Gastronomie in Österreich (gem. § 12 Abs. 1 Z 4 TNRSG), denn das Rauchverbot will uns sagen: Die Gesundheit aller ist wichtiger als das Recht auf Genuss des Individuums. Im Alltag erscheint das Verbot des Rauchens zunächst vielleicht einfach, doch damit ist eine tiefe ethische Abwägung verbunden.
Nichtraucher:innen-Schutz: Diese Schilder erlebten im Jahr 2019 einen Aufschwung, denn seit 2019 ist Österreichs Gastronomie rauchfrei.
© M. Possard (2024)
Fazit: Und was nun?
1. März 2025
Marlon Possard
Dr. Marlon Possard ist Assistant Professor für Recht, Ethik und Verwaltung. Er ist Wissenschaftler am Department für Verwaltung, Wirtschaft, Sicherheit und Politik (Institut für Public Management) sowie am Research Center Administrative Sciences (RCAS) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Campus Wien (HCW). Darüber hinaus lehrt und forscht er am Institut für digitale Transformation und künstliche Intelligenz an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien und Berlin (SFU) und leitet ebendort das Department für Ethik der künstlichen Intelligenz. Zusätzlich ist er Gastforscher an der Harvard University (USA). Er ist Autor von über 140 Beiträgen und Publikationen zu Fragen des Rechts, der Ethik und der Verwaltung. © M. Possard/Privat
Literatur zum Thema
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Veröffentlicht 2024
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