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Gerechtigkeit, Fairness und das Regieren in Zeiten eines Budgetdefizits: Wo aber bleibt die Ethik?
In den nächsten Jahren lautet in Österreich die Devise: Sparen, wo es nur geht. Foto © Pixabay
„Ethik-Mangel“ im neuen Regierungsprogramm
Um herauszufinden, welchen Stellenwert die Ethik an sich innerhalb der Vorhaben einer neuen Regierung tatsächlich einnimmt, lohnt es sich zunächst, das jeweilige Regierungsprogramm genau zu studieren. Aus Sicht der Ethik ist das von der neuen österreichischen Bundesregierung im Februar 2025 veröffentlichte Programm (2025-2029) bemerkenswert: Nach detailliertem Lesen ist mir aufgefallen, dass das Wort „Ethik“ lediglich ein einziges Mal vorkommt – und das nur in Bezug auf einen Hinweis im Rahmen des ORF-Ethikkodex. Auch der Terminus „ethisch“ findet sich im gesamten Regierungsprogramm, das immerhin 210 Seiten aufweist, nur ein Mal. Kurzum: Zwei Mal Ethik auf 210 Seiten sozusagen.
Angesichts der tiefgreifenden gesellschaftlichen Herausforderungen, die eine ernsthafte ethische Reflexion erfordern – man denke etwa an Fragen der sozialen Gerechtigkeit, an die rasanten Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und an Fragen finanzieller Verteilungsgerechtigkeit – ist das aus einer (rechts-)ethischen Perspektive bedauerlich. Denn: Gerechte politische Entscheidungen – insbesondere vor dem Hintergrund einer budgetären Krise, wie wir sie in Österreich gegenwärtig erleben – erfordern sukzessive eine ethische Abwägung. Mein Appell lautet daher: Ethik muss jedenfalls ein integraler Bestandteil von politischen Agenden sein, auch im Sinne einer fairen Budgeterstellung.
Ethik als prioritäres Prinzip im politischen Spannungsfeld
Betrachtet man das österreichische Haushaltsrecht, so umfasst dieses zuallererst verschiedene Prinzipien (z. B. die Budgetwahrheit, die Budgetklarheit und das Verbot der Mittelzweckentfremdung). Diese haushaltsrechtlichen Aspekte wirken auf Leser:innen zunächst wohl technokratisch und neutral. Das sind sie auch, weil das Haushaltsrecht das primäre Ziel verfolgt, fiskalische Stabilität sicherzustellen. Aber es gibt eben auch (politische) Spielräume, die durch vage Formulierungen und Interpretationen eröffnet werden. Die Folge davon? Eine Instrumentalisierung des Haushaltsrechts in Hinblick auf unkontrollierte Ausgaben und Mittelverteilungen, die aus einem ethischen Blickwinkel (Stichworte: Gerechtigkeit und Fairness) heraus häufig als problematisch zu klassifizieren ist.
Endlich Ethik wagen
In den nächsten Jahren lautet in Österreich die Devise: Sparen, wo es nur geht. © Pixabay
Transparenz: Schlüsselprinzip einer ethischen Budgetpolitik
Conclusio: Ethik als Impulsgeberin
Letztendlich ist die Budgeterstellung ein komplexer Prozess, der zwischen moralischen Ansprüchen und pragmatischen Notwendigkeiten diskutiert werden muss. Trotz aller Schwierigkeiten ist es notwendig, ethische Prinzipien aktiv in die politische Praxis zu integrieren, um eine gerechte und nachhaltige Verteilung öffentlicher Mittel zu gewährleisten – vor allem auch hinsichtlich der Sicherstellung von Generationengerechtigkeit. Die neue österreichische Bundesregierung steht immerhin vor der Herausforderung, die fiskalische Konsolidierung mit sozialer Gerechtigkeit und langfristiger Nachhaltigkeit zu verbinden. Erstaunlich ist zweifellos, dass Ethik im aktuellen österreichischen Regierungsprogramm der Dreierkoalition nur zwei Mal Erwähnung findet – und das in einer globalisierten und digitalisierten Zeit, in der eine gerechte politische Planung und Entscheidungsfindung zunehmend komplizierter wird.
Marlon Possard
© M. Possard/Privat
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