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Wirtschaftspolitik in herausfordernden Zeiten

Ein Aufriss von Ralf Kronberger

Österreich und auch die österreichische Wirtschaftspolitik blicken auf turbulente Jahre zurück, die zweifellos ihre Spuren hinterlassen haben.

Covid-19-Pandemie, Ukraine-Krieg & Inflation

Der Ausbruch der COVID-19-Pandemie brachte nicht nur massive Einschnitte für unser persönliches Leben, sondern mit einem Schlag massive Einschränkungen für viele wirtschaftliche Aktivitäten. Das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigung und der Außenhandel brachen drastisch ein. Die österreichische Regierung reagierte mit einer der umfassendsten Krisensubventionen innerhalb der Europäischen Union. Kaum war die COVID-19-Pandemie überwunden, leitete der russische Angriffskrieg auf die Ukraine ab Februar 2022 massive geopolitische Veränderungen ein. Sowohl der dadurch einsetzende Gaspreisschock wie auch die Einschränkung der Handelsbeziehungen mit Russland bedeuteten einen weiteren Dämpfer für die österreichische Wirtschaft. Die Energiepreiserhöhungen wurden auf weitere Sektoren der Wirtschaft übergewälzt. Inflationshöchststände um die 10 % sowohl für die Eurozone als auch für Österreich waren zum Jahresende 2022 die Konsequenz. Österreich baute seitdem seine Inflationsdifferenz zur Eurozone zu seinem Nachteil aus. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone gegenüber dem Rest der Welt litt unter der hohen Inflationsrate. Auch im Kontext der Energie- und Teuerungskrise erfolgte in Österreich eine im europäischen Vergleich massive fiskalische Ausweitung mit Maßnahmen zur Abfederung der Teuerung (Anti-Teuerungsmaßnahmen). Die Europäische Zentralbank reagierte auf die hohe Inflation im Euroraum mit einer geldpolitischen Wende. Beginnend mit der Jahresmitte 2022 zogen die Leitzinsen auf einen Höchststand von 4,5 % im Jahr 2023 – auch mit entsprechenden Konsequenzen für die Konjunktur.  Die Jahre 2023 und 2024 waren in Österreich von einer langandauernden Rezession geprägt – begleitet von steigender Arbeitslosigkeit und vermehrten Unternehmensschließungen.

Regierungsbildung unter angespannten öffentlichen Finanzen

Im Jahr 2024 weitet sich das Defizit der öffentlichen Haushalte gemäß Maastricht auf 4,7 % des Bruttoinlandsproduktes aus. Die im September 2024 abgehaltenen Nationalratswahlen in Österreich brachten nach Regierungsverhandlungen in zwei Parteikonstellationen letztlich im Frühjahr 2025 eine Koalition von drei Regierungsparteien, die notwendig war, um die einfache Mehrheit im Nationalrat abzusichern. Eine Dreiparteienregierung stellte für Österreich ein Novum dar. Zudem wurde bzw musste während der Regierungsverhandlungen bereits ein Konsolidierungspaket ausverhandelt (werden). Damals noch mit der Erwartung, dass ein EU-Defizitverfahren dadurch noch abgewendet werden könne. Weil aber dann auch 2025 keine ausreichende Korrektur des Defizits unter die 3-%-Schwelle wahrscheinlich war, leitete der Rat der Europäischen Union im Juli 2025 unter dem reformierten Regelwerk des Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes ein Defizitverfahren gegen Österreich ein.

Turbulenzen in der Handelspolitik

Der Amtsantritt von Präsident Trump in den USA Anfang 2025 veränderte die handelspolitische Ordnung, indem die USA im Jahr 2025 einseitig massive Zollerhöhungen primär gegenüber China aber auch gegenüber den westlichen Handelspartnern noch stärker ankündigten, als sie dann letztendlich vollzogen wurden. Im Jänner 2026 unterzeichneten politische Vertreter der Europäischen Union und der Mercosur-Staaten ein Partnerschafts- und Interimsabkommen über den Handel, zur Absenkung der Handelsbarrieren nach 25 Jahren Verhandlung. Dies erfolgte ohne Zustimmung der Republik Österreich.

Herausforderungen bewältigen

Bei all der Krisenbewältigung nach der COVID-19-Pandemie, der Energiekrise und der angespannten budgetären Lage darf man nicht aus den Augen verlieren, für die Zukunft zu gestalten.  Zuallererst sollten die Lehren aus den vergangenen Krisenbewältigungsmaßnahmen gezogen werden, wie beispielsweise stärkere Beachtung der Treffsicherheit von Fördermaßnahmen, Vermeidung von Doppelförderungen, Beachtung von Budgetschranken, wie etwa das Wirken der automatischen Stabilisatoren nicht zu stark noch mit diskretionären Maßnahmen aufzudoppeln. Bei zusätzlichen diskretionären Maßnahmen sollte auf die Finanzierbarkeit über die längere Frist geachtet werden, um eine Stopp-and-Go-Policy zu vermeiden. Als Beispiele können der Klimabonus oder das „letzte Drittel“ beim Ausgleich der kalten Progression, die nach wenigen Jahren im Rahmen der Konsolidierungsanstrengungen wieder abgeschafft werden mussten, genannt werden.
Die demografischen Veränderungen stellen schon jetzt Herausforderungen an Organisation und Finanzierung der Systeme wie Gesundheit, Pension und Altenpflege. Eng damit verknüpft ist eine schon länger anstehende Föderalismusreform. Beispielsweise aus den Schweizer Reformerfahrungen zu einer Föderalismusreform kann man ableiten, dass es großer politischer Anstrengungen auf allen beteiligten gebietskörperschaftlichen Ebenen mit einem Verhandlungshorizont über mehrere Jahre bedarf. Die Früchte einer Föderalismusreform können frühestens mehrere
Jahre später geerntet werden. Österreich hat eine vergleichsweise hohe Sozialquote, die Ausdruck der hohen Kosten der zuvor genannten Systeme sind. Auf der Habenseite sind hohe Sozialstandards, eine günstige sekundäre Einkommensverteilung wie auch eine nach dem erweiterten Vermögensbegriff im europäischen Vergleich günstige Vermögensverteilung zu nennen. Man sollte Bürger:innen durchaus transparent machen, in welchen Systemen wie und wie viel umverteilt wird. Die grüne Transformation wie auch die sich ändernde Weltwirtschaftsordnung mit ökonomisch immer stärker werdenden ehemaligen Emerging Markets, die zu Großmächten geworden sind, bedürfen zudem geeigneter wirtschafts-und industriepolitischer Strategien, um unter anderem nicht noch weitere relative Verluste in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit hinnehmen zu müssen.

Die aktuelle Auflage des Buches „Österreichische Wirtschaftspolitik“ soll einen Beitrag dazu leisten, aktuelle wirtschaftspolitische Herausforderungen zu erkennen und Leser:innen in die Lage versetzen, die diskutierten oder auch vor der Umsetzung stehenden Maßnahmen einzuordnen und bewerten zu können.

7. April 2026


Mag. Dr. Ralf Kronberger

Mag. Dr. Ralf Kronberger ist Leiter der Abteilung Finanz- und Steuerpolitik der WKÖ und arbeitet als Lehrbeauftragter an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er verfügt über 25 Jahre Lehrerfahrung sowohl aus der Lehrtätigkeit an der Universität als auch an Fachhochschulen. Er ist Aufsichtsratsmitglied bei der Austria Wirtschaftsservice GmbH, Mitglied des Fiskalrates und des Beirats für Wirtschaftsund Sozialfragen, Mitglied der ERP-Kreditkommission und war Mitglied der Steuerreformkommission 2014. Er war Mitherausgeber der Buchreihe „Schwerpunkt Außenwirtschaft“ sowie zuletzt beim Handbuch zur Globalen Steuerreform.

Foto: © Nadine Studeny

 

Literatur zum Thema

Österreichische Wirtschaftspolitik

Eine anwendungsorientierte Einführung

Österreichische Wirtschaftspolitik

Veröffentlicht 2026
von Ralf Kronberger bei facultas
ISBN: 978-3-7089-2190-7

Österreichische Wirtschaftspolitik bietet eine praxisorientierte Einführung mit der Einarbeitung aktueller wirtschaftspolitischer Ereignisse, wie der Auswirkung der Energie- und Teuerungskrise als Konsequenz des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine oder auch zuvor der wirtschaftspolitischen ...