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50 Jahre ÖZW - Österreichische Zeitschrift für Wirtschaftsrecht
Foto: © IOER, Stephan Schwarzer
Ein Rückblick auf fünf erfolgreiche Jahrzehnte
Mit einem wissenschaftlichen Symposion feierte
die ÖZW am 14. Mai im Festsaal der WU ihren 50. Geburtstag. Rund 150
Personen gratulierten und ließen – standesgemäß für einen runden
Geburtstag – den Abend mit musikalischer Begleitung durch Elevating Three
ausklingen. Das wissenschaftliche Programm behandelte die klassischen
Fragestellungen des öffentlichen Wirtschaftsrechts, die die ÖZW in den
letzten 50 Jahren geprägt haben: die Wirtschaftsgrundrechte, aber auch
der Gleichheitsgrundsatz und soziale Grundrechte als
Wirtschaftsgrundrechte; Entwicklung, Stand und Zukunft des Rechts der
Privatwirtschaftsverwaltung und der öffentlichen Unternehmen wurden
ebenso behandelt wie der Wirtschaftsverfassung, des
Wirtschaftsordnungs-, Wirtschaftslenkungs- und Wirtschaftsaufsichts- und
Wirtschaftsregulierungsrechts; dieselbe Frage gestellt für das
Umweltrecht, das Energierecht und das Technikrecht rundete die
Veranstaltung ab, zu der Dragana Damjanovic, Elias Felten, Claudia
Fuchs, Christoph Grabenwarter, Arno Kahl, Benjamin Kneihs, Martina
Kofler-Schlögl, Barbara Leitl-Staudinger, Michael Mayrhofer, Thomas
Müller, Christian Schmelz, Sebastian Scholz, Wolfgang Urbantschitsch,
Ulrich Wagrandl und Claudia Wutscher beitrugen. Besonders nette
Geburtstagswünsche überbrachte Generalsekretärstellvertreter Dr. Herwig
Höllinger namens der WKÖ, dem ebenso wie dem facultas Verlag von den
Schriftleitern für die stete Unterstützung der Zeitschrift besonders
herzlich gedankt wurde.
In ihrer Begrüßung gaben die beiden
heutigen Schriftleiter der ÖZW, Univ. Prof. Dr. Michael Holoubek und
Univ. Doz. Dr. Stephan Schwarzer, beide vom Institut für
Österreichisches und Europäisches Öffentliches Recht der WU, einen
kurzen Abriss über die Geschichte der ÖZW und damit auch über ein Stück
Wissenschaftsgeschichte in Österreich:
Die Österreichische
Zeitschrift für Wirtschaftsrecht (ÖZW) wurde 1974 von Univ.-Prof. DDr.
Karl Wenger (gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Hans Georg Koppensteiner,
Univ.-Prof. Dr. Karl Korinek und Dr. Fritz Schönherr) aus der Taufe
gehoben. Karl Wenger hatte mit seiner Habilitationsschrift zu den
öffentlichen Unternehmungen und seinen wegbereitenden Publikationen zur
öffentlichen Auftragsvergabe und zur Förderungsverwaltung im Rahmen
seiner Professur für öffentliches Recht unter besonderer
Berücksichtigung des Wirtschaftsverwaltungsrechts an der Universität
Wien die Tradition des öffentlichen Wirtschaftsrechts begründet und ihm
mit der ÖZW eine nachhaltig wirkende Plattform gegeben. Schon die
Eröffnungsaufsätze des Hefts 1/1974 von Heinz Krejci Zum Tatbestand des aufeinander abgestimmten Verhaltens nach österreichischem und europäischem Kartellrecht und Walter Barfuß Wird die neue Gewerbeordnung das Gewerberecht entscheidend verändern? (mit
BGBl 50/1974 hatte die Gewerbeordnung 1973 die Gewerbeordnung 1859
abgelöst) waren Programm. Es folgten 20 Jahre insbesondere für das
öffentliche Wirtschaftsrecht in Österreich bestimmende
Publikationstätigkeit. Beiträge mit anwendungsorientiertem Fokus halten
sich die Waage zu wirtschaftsrechtlicher Grundlagenforschung. Pars pro
toto seien nur Bernhard Raschauers Zu den Grenzen der Wahlfreiheit zwischen den Handlungsformen der Verwaltung im Wirtschaftsrecht in Heft 1/1977 (ein Beitrag, der jüngst im COFAGErkenntnis des VfGH deutlichen Niederschlag gefunden hat), Peter Oberndorfers Die Verfassungsrechtliche Kontrolle von Flächenwidmungsplänen (Stichwort: Legitimation durch Verfahren – Heft 4/1978) oder Stefan Grillers Verfassungswidrige Schrottlenkung
(Heft 3/1985, eine der wegbereitenden Arbeiten zu einem differenzierten
Verständnis der Erwerbsfreiheit) genannt; ebenfalls erwähnt muss in
diesem Zusammenhang die Tradition der „Fortsetzungsromane“ in der ÖZW
werden, namentlich die jeweils dreiteiligen Aufsatzreihen von Heinz
Peter Rill zum Preisrecht als Wirtschaftslenkungsrecht (1974/1975) und
von Heinz Schäff er zum Wirtschaftsaufsichtsrecht (1978/1979). Hier
wurde rechtswissenschaftlich das System geprägt.
1993 übernimmt
Karl Korinek von Karl Wenger die Schriftleitung. Im wissenschaftlichen
Beirat folgt die nächste Generation: Ferdinand Kerschner, Heinz Krejci,
Dietmar Pauger, Bernhard Raschauer, Heinz Schäff er, Stephan Schwarzer
und Manfred Straube. Mit Karl Korinek als Schriftleiter übernimmt 1993
auch Dr. Irmgard Holoubek die Redaktion der ÖZW, die bis heute in ihren
Händen liegt.
Der neue Untertitel Beiträge zum Recht der Wirtschaft, Umwelt und Technik benennt
das Programm einer Erweiterung des von der Zeitschrift betreuten
Fachgebiets. Wiederum folgen 20 Jahre Publikationstätigkeit zu
angewandter und grundlagenorientierter Forschung im (öff entlichen)
Wirtschaftsrecht; darunter wiederum Beiträge, die deutlich sichtbare
Spuren in die Zukunft bahnen, beispielsweise Dietmar Paugers Die Neuordnung der Elektrizitätswirtschaft – auf dem Weg von der Stromversorgung zum Strommarkt (Heft 4/1998), Karl Korineks Staatsrechtliche Bedingungen und Grenzen der Ausgliederung und Beleihung (Heft 2/2000) und Arno Kahls Rundfunkregulierung durch europäisches Wettbewerbsrecht (Heft 3/2009).
2010
übernimmt der Verlag facultas mit Peter Wittmann an der Spitze die ÖZW
in sein wissenschaftliches Verlagsprogramm. 2015 übergibt Karl Korinek
an die beiden heutigen Schriftleiter, wohl kein Zufall: an zwei seiner
Schüler, die obendrein bei Karl Wenger erstmals mit dem Bazillus des
Wirtschaftsverwaltungs- und Wirtschaftsverfassungsrechts infi - ziert
wurden. In der Herausgeberschaft werden zwei Traditionen im
Wirtschaftsrecht in Österreich zusammengeführt: Herausgeberfunktion
übernimmt ab dem 42. Jahrgang die Studiengesellschaft für Wirtschaft und
Recht. Einen sanften Generationenwechsel erfährt auch der
wissenschaftliche Beirat: Bernhard Raschauer bleibt, dazu kommen Wilhelm
Bergthaler, Arno Kahl, Barbara Leitl-Staudinger, Michael Potacs, Fritz
Rüffler, Eva Schulev-Steindl und Stefan Storr.
Im Übrigen wird
behutsam angepasst und das Layout modernisiert, der Untertitel fällt –
ohne Verkürzungsintention – wieder weg, denn Wirtschaftsrecht wird als
solches weit gedacht, der umweltrechtliche Schwerpunkt wird verstärkt,
und gerade das zum Symposium erscheinende Jubiläumsheft befasst sich mit
einem breiten Spektrum neuer energierechtlicher Fragestellungen.
Auch hier ist das erste Heft (1/2015) unter neuer Verantwortung Programm, es widmet sich Grundsatzfragen: Bernhard Raschauers Die Entwicklung des öff entlichen Wirtschaftsrechts in Österreich, Barbara Leitl-Staudingers Hat das Wirtschaftsordnungsrecht Zukunft?, Arno Kahls Regulierung, Lenkung, Gewährleistung – die neuen Kerngebiete, Franz Merlis Hat das öff entliche Wirtschaftsrecht ein System und leitende Prinzipien? und in der Folge dann Thomas Müllers Wettbewerbsrecht als öff entliches Wirtschaftsrecht – eine Neuvermessung (Heft 3/2015).
50
Jahre Geschichte einer wissenschaftlichen Zeitschrift, das bedeutet 364
Autor:innen mit 760 Beiträgen (im Ranking der fl eißigsten Autoren
steht Bernhard Raschauer unangefochten an erster, Heinz Krejci an
zweiter, knapp gefolgt von Stephan Schwarzer an dritter Stelle). 137
Autor:innen haben mehr als einen Beitrag in der ÖZW veröff entlicht. Was
die Themengebiete anlangt, stehen bis Anfang der 2000er-Jahre
Gewerberecht und Preisrecht gefolgt von Vergabe-, Umwelt- und
Energierecht im Vordergrund. Danach ändert sich der
Aufmerksamkeitsfokus: Es bleiben dieselben Rechtsgebiete im Zentrum,
doch erobert nach der Anzahl der Artikel das Energierecht vor dem
Vergaberecht und dem Umweltrecht die Spitze.
Das
Geburtstagssymposion und auch das im Geburtstagslayout gestaltete
Jubiläumsheft 1/2024 zeigen die Richtung, der die ÖZW weiterhin folgen
will: sowohl dem grundlagenorientierten als auch dem
anwendungsorientierten Nachdenken über Instrumente, Organisation und
Verfahren im öff entlichen Wirtschaftsrecht die wissenschaftliche
Plattform und dabei vor allem auch jüngeren Rechtswissenschaftler:innen
Raum zu geben.
11. Juni 2024
Michael Holoubek
ist Universitätsprofessor am Institut für Österreichisches und Europäisches Öffentliches Recht an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Mitglied des österreichischen Verfassungsgerichtshofes.
Stephan Schwarzer
ist Universitätsdozent am Institut für Österreichisches und Europäisches Öffentliches Recht an der Wirtschaftsuniversität Wien und war langjähriger Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der Wirtschaftskammer Österreich
Foto: © IOER, Michael Holoubek